HUMAN___gold Projektbeitrag von Evelyn Kreinecker
   






Fragen / Keine Antworten / Ungewissheiten

Eingespannt in ein Netz an Bedeutungsebenen  und Verbindungen und doch schwebend sind die Arbeiten positioniert. Die Bilder zeigen Portraits, aber nicht vom Angesicht der Menschen. Es sind die Hände, die in ihrer geballten Symbolkraft im Blickfeld sind. Hände denen alle Erfahrungen, Handlungen, Erlebtes, Schweres und Leichtes eingeschrieben sind. Gemalte und gezeichnete Handgeschichten.  Eine individuelle Landschaft aus Linien, Schattierungen, Furchen, Kuppen, Sehnen und Falten wird zum Bild für das Menschsein ohne Verkleidung, Maskierung oder Selbstdarstellung.

Wer wir sind.

Die Hände berühren leicht das Gesicht, eine Zartheit die im Kontrast zur Geste steht, deren Symbolik auch Fragen aufwirft. Ist es eine Traurigkeit, eine Erschöpfung, eine Verweigerung oder eine Wahrnehmung, ein Beisichsein, eine Fragestellung? Es bleibt für den Betrachtenden offen und lässt so Raum für eigene Fragen und Assoziationen.

Der Leiter der Frankfurter Städelschule, Professor Nikolaus Hirsch, sagt in einem Interview auf die Frage, was die Gesellschaft von den Künstlern erwarten kann: „Vielleicht eine Rolle als Sensorium für neue Fragen und Ungewissheiten oder die Verstärkung von Ungewissheiten. … Ich glaube, dass es im Idealfall eher darum geht, eine Art von Differenz herzustellen, so dass der Betrachter für sich neue Fragen aufwirft und vielleicht auch ein bisschen unsicher wird, was Wahrnehmung letztlich ist.“

In gewisser Weise geschieht dieses Infragestellen und Irritieren auch in dem Animationsfilm „Wegstücke“. Mit Kohle auf demselben Stück Leinwand gezeichnet wachsen Szenen, die sich immer wieder verändern, überlagern und wieder verschwinden bis schließlich nur noch Spuren bleiben.

Es entstehen Bilder über Menschen, die Wege gehen. Überall auf der Welt und aus unterschiedlichsten Gründen zu  verschiedensten Zielen -  Alltägliche, Notgedrungene, Beglückende, Suchende. Es sind Momentaufnahmen, die Geschichten erzählen und Fragen stellen.

Welche Wege können wir gehen, dürfen wir gehen, müssen wir gehen? Welche Wege stehen uns offen, welche sind uns verwehrt? Welche Wege stehen anderen offen, welche sind ihnen verwehrt? Wohin sind wir unterwegs? Was bewegt uns?

Fragen. Keine Antworten.

Wie eine Wolke hängen diese Fragen und diese Bilder um uns. Sie lassen sich nicht festlegen, es bleibt etwas Ungewisses, eine Verunsicherung. Stehend auf unzähligen Namen und Nummern -Sinnbild menschlichen Daseins, sind wir damit konfrontiert.

 

Evelyn Kreinecker
Atelier / Hauptstraße 31 / 4731 Prambachkirchen
www.evelynkreinecker.at

 

  Der Film (Premiere!) entstand während der "Langen Nacht der Museen" im Museum Angerlehner.
Filmmusik - komponiert und begleitet - von Norbert Trawöger
   
  > Ein Blog Beitrag von Evelyn Kreinecker im Museum Angerlehner >>>
   
  Den besten Einblick in ihre Arbeit bietet der aktuelle Bericht:
   
  "MAN KANN NICHT AN DER ZEIT VORBEI"
  Ein Portrait von Evelyn Kreinecker im OÖ Kulturbericht 0708/17 - von Gerald Polzer
   
  In der Einleitung steht:
  "UNSERE HEUTIGE WELT IST VOLLER GEGENSÄTZE: Privatheit und Öffentlichkeit verschwimmen immer mehr, jeder Mensch beobachtet und wird beobachtet. Wo die Grenze zwischen Intimität und der Außenwelt liegt, ist einer der großen Themenkreise in der Arbeit von Evelyn Kreinecker, die sich dabei fast ausschließlich mit Menschen beschäftigt. Ob als Individuum oder Teil einer Masse, die Künstlerin versucht jeder Figur Persönlichkeit und "Schicksal" einzuhauchen." (...)
   
  Das gesamte Interview als .jpg - zum Vergrößern anclicken.
   
  Portrait von Evelyn Kreinecker im OÖ Kulturbericht 0708/17
   
  Weitere Informationen zum Zyklus "Wegstücke" finden sich auf:
  www.evelynkreinecker.at